Zurück

Respekt vor starken Menschen

Diese Leserbriefe erreichten die Redaktion zum Artikel „Pro und contra zum Windpark Wegenstedt“, der am 19. November erschienen war.

Ich wünsche mir den Respekt vor starken Menschen, die sich für unsere Heimat einsetzen. Die Windparkgenehmigung Wegenstedt wurde dank ihnen aufgehoben. Unsere Gemeinde hat erfolgreich gegen das Landesverwaltungsamt geklagt, das den Windpark genehmigt hatte. Erfolgreich, weil die Behörde Fehler gemacht hatte. Unsere Gemeinde wurde zum Vorreiter. Durch das Gerichtsurteil hat sie erreicht, dass Belange des Naturschutzes bei Entscheidungen zu Windparks durch Kommunen angeführt werden können.

Und diese Belange sind für die Menschen unserer Gemeinde enorm wichtig. Oberste Priorität der Räte muss es sein, dass die Menschen hierbleiben und herkommen. Eine gute Infrastruktur und eine heile Natur sind wichtig. Das finanzielle Heil von Calvörde hängt nicht von dem Windpark ab, sondern von den Menschen, die hier wohnen. Sie sind der entscheidende Faktor, der vorgibt, wie viele Steuergelder nach dem Finanzausgleich letztlich wieder in der Gemeinde für ihre Bürger zur Verfügung stehen – ein viel schwerwiegenderer Faktor. Nun hat das Verfahren für oder gegen den Windpark wegen der ersten fehlerhaften Genehmigung erneut begonnen.

Der Gemeinderat konnte neuerlich seine Genehmigung versagen – oder nicht? Nach Gerichtsurteil stehen die naturschutzrechtlichen Belange der Genehmigung jedenfalls gegenüber. Klare Sache. So, wie es Calvörde auch erstritten hat. Nun wurde die Öffentlichkeit sowohl bei den beratenden Ausschüssen als auch bei Beschlussfassung durch den Rat ausgeschlossen. Befremdlich bei einem solch öffentlichen Anliegen und nach dem Erfolg der Gemeinde. Wir möchten Entscheidungen nachvollziehen und uns wohl vertreten wissen. Vertreten im Sinne der Bürger, die mehrheitlich gegen den Windpark sind. Vertreten für unsere Zukunft! Hoff entlich wurde keine Milchmädchenrechnung gemacht.

Ina Köhn, Wegenstedt

Meine Mutter hat mich im vergangenen Jahr zu meiner ersten
Demonstration mitgenommen. Es war die Antiatomdemo in Berlin. Es war ein bewegendes Gefühl, dass so viele unterschiedliche Menschen gemeinsam für etwas einstehen. Als in Wegenstedt genau gegen alternative Energie demonstriert wurde, war ich nicht zu Haus. Auch da hätte ich mitgemacht, und das schließt sich nicht aus. Ich bin Juniorranger im Drömling, und ich bin für alternative Energie. Ich wurde dazu erzogen, die Natur zu achten. Ich bin gern in der Natur und möchte dazu beitragen, dass sie erhalten bleibt. Ich wurde noch zu etwas anderem erzogen. Ich soll umsichtig sein. Ich soll lernen, weitsichtig zu denken. Ich werde gerade erwachsen. Denken die Erwachsenen denn in entscheidenden Momenten weitsichtig? In Sachsen- Anhalt haben wir bald den größten Bevölkerungsrückgang in Deutschland. Was tut die Politik vor Ort dagegen? Wenn ich entscheiden kann, wo ich wohne, soll es nach Möglichkeit an einem Ort sein, wo ich mich in der Natur erholen kann. Sachsen-Anhalt ist stolz darauf, soviel alternative Energie durch Windkraft zu erzeugen, habe ich gelesen. Ist es umsichtig, an einem Ort fünf Windkrafträder zu bauen und wenn man sie gerade aus dem Blickwinkel verloren hat, die Natur mit den nächsten vier zu verschandeln? Was ist dabei das Konzept? Ich glaube, man kann Naturschutz und alternative Energie besser in Einklang bringen.

Anna Fee Köhn, 13 Jahre, Wegenstedt

Zurück