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Loskarn: Windpark Wegenstedt nicht genehmigungsfähig

In diesem Leserbrief beschreibt Peter Loskarn aus Bülstringen, warum seiner Meinung nach der Windpark Wegenstedt aus Gründen des Artenschutzes nicht genehmigungsfähig ist:

Bei der Erfassung der Fledermausquartiere im Umfeld des Eingriffsgebietes wurden von den Gutachtern des Planungsbüros nach achtjähriger Untersuchung die Quartiere der Fledermäuse am Rande des Waldes nicht festgestellt.

Diese Population müsste unter den Rotorblättern leben und würde in kürzester Zeit ausgelöscht. Im Fledermausgutachten sind Quartiere nicht erfasst, also nicht vorhanden. Die Gutachter haben geforderte Untersuchungsmethoden nicht ausschöpfend angewandt. Die realen Gegebenheiten werden seit Jahren fehlerhaft interpretiert. Trotz der Erweiterung des Untersuchungsradius‘ in den letzten Jahren auf zehn Kilometer wurde die außerordentliche Bedeutung der Region für Fledermäuse nicht ausreichend dargestellt. In diesem Radius kommen fast alle Fledermausarten Sachsen-Anhalts vor.

Einmalig in Sachsen-Anhalt sind Massenwinterquartiere mit über 300 Individuen des Abendseglers auf engstem Raum im Restriktionsbereich von drei Kilometern um den geplanten Windpark. Hier wurden in den vergangenen Jahren mit Einbezug von weiteren Fledermäusen aus Massenquartieren im Fünf-Kilometer-Bereich weit über 1000 Tiere beringt. Dadurch konnte nachgewiesen werden, dass ihr Interaktionsraum weit über das Gebiet hinaus geht. Sie frequentieren durch die Massenvorkommen um das Windparkgebiet zwangsläufig die Vorhabensfläche und wären dauerhaft erheblich gefährdet. Diese außergewöhnlichen Vorkommen des Abendseglers wurden auch nach neuerlicher Prüfung durch die Gutachter falsch bewertet. Wohin das führt, verdeutlichen die erheblichen Schlagopfer in den Windparks Haldensleben und Mahlwinkel. Diese Anlagen sind riesige Fledermaus-Mordinstrumente. Die Windparkgegner fühlen sich durch Aussagen verantwortlicher Politiker in ihrer Argumentation bestärkt. Der Minister für Landwirtschaft und Umwelt Sachsen-Anhalts hat im Grußwort zum Projekt „49 Förster = 49 Patenschaften für geschützte Arten“ am 8. November 2010 gesagt: „Sachsen-Anhalt ist das einzige Land, das ein abgestimmtes Programm zur Biodiversität hat. Wir sind in der Waldbewirtschaftung
auf einem guten Weg zum Wohle des Waldes, des Naturschutzes und der Umwelt und zum Wohle nachfolgender Generationen.“ In Wegenstedt ist das noch nicht erkannt. Hier werden am Windpark noch Höhlen- und Quartierbäume für Fledermäuse abgesägt. Die wichtigsten Helfer bei der biologischen Schädlingsbekämpfung werden so aus dem Wald vertrieben.

Dieser Windpark befindet sich an der engsten Stelle eines Waldstreifens, der den Flechtinger Höhenzug und die Calvörder Berge mit dem Drömling vernetzt. Für Vogel- und Fledermausarten ist dies eine Falle. Die Tiere werden über Jahrzehnte durch den sich stetig verjüngenden Waldstreifen wie in einer Reuse direkt in die Rotorblätter geleitet. Am 17. Februar 2011 wurde zu einer NABU-Tagung in das Landratsamt eingeladen. Im Grußwort forderte der ehemalige Landrat des Bördekreises, Thomas Webel, die Landwirte, die Institution und alle Bürger auf, dem Verlust der biologischen Vielfalt entgegen zu wirken. Wie wird diese Strategie in Wegenstedt am Windpark umgesetzt? Nachdem sich Anfang November auf den Ackerflächen einige Kraniche und hunderte Saat- und Blässgänse aufhielten, wurden Vogelscheuchen aufgestellt. Nun ist das Windparkgelände wieder frei von nordischen Gästen.

Peter Loskarn,
Artenschutzbeauftragter
des Landkreises Börde

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