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Helmut Mewes, Sprecher der Bürgerinitiative

Ist nicht Nordgermersleben ein Argument dafür, dass die Vorteile eines Windparks für die Bürger überwiegen?

Ist nicht Nordgermersleben ein Argument dafür, dass die Vorteile eines Windparks für die Bürger überwiegen?


Pro:
Wiederholt vorgetragene mündliche Aussage vom ehemaligen und vom amtierenden Bürgermeister für Wegenstedt: Wenn der Abstand von 1000 m eingehalten wird, überwiegen die Vorteile für alle Bürger, wie das Beispiel Nordgermersleben beweist.


Contra:
Man könnte es einfach machen: In der Börde haben die Einwohner spätestens mit dem Zuckerrübenanbau bereits vor 150 Jahren ihr abwechselungsreiches Landschaftsbild der hohen Rendite geopfert. In Wirklichkeit gibt es aber auch dort noch schützenswerte Kulturlandschaften. Auch dort sollte künftig sorgfältiger abgewogen werden. Für Nordgermersleben erkenne ich als Außenstehender folgende Besonderheiten: Die zahlreichen WEA stehen im Abstand von nur 1000 m vor allem bei den beiden Vororten von Nordgermersleben, die von der B1 durchschnitten werden und die relativ nahe an der Autobahn sind. Es sind also zwei sehr kleine, vorbelastete Siedlungen vom großen Nordgermersleben. Der Abstand der WEA vom Kern von Nordgermersleben ist in der Regel wesentlich größer. Bei einer Abwägung können deshalb hier die Vorteile schnell überwiegen, wenn man die ohnehin geschädigte Bördelandschaft beachtet. Außerdem ist zu berücksichtigen: Die Rangfolge zwischen Geld und dem Erhalt der Landschaft ist bereits seit Generationen für viele Bewohner sicherlich anders, als für Bürger, die am Rande des Drömling zu Hause sind. Nicht für alle! Ich kenne Nordgermersleber, die allein wegen der erhaltenen Natur in einer besonderen Kulturlandschaft oft in den Drömling fahren. Sie sind über die Pläne zur Errichtung eines Windparks an diesem Standort bei Wegenstedt entsetzt. Auch Bürgermeister und Räte anderer Gemeinden, die sich nach der Wende besonders beispielhaft entwickelt haben, lehnen auf ihrem Weg Windkraftanlagen erfolgreich ab, wie Barleben oder lassen sie nur sehr begrenzt im großen Abstand zu, wie Niederndodeleben.

Was bedeutet das für Wegenstedt?
Das Oberdorf ist bereits geschädigt: Durch eine stark befahrene Landesstraße und durch die Eisenbahn. Das hat gravierende Folgen im Kampf gegen den Windpark. Wegenstedt ist kein reines Wohngebiet mehr. Das bedeutet, dass die Tabuzone von 1.300 m nach dem Beschluss RV 01/2011 der Regionalversammlung vom 25.03.2011, Seite 4 nicht gilt. Mit anderen Worten: Gäbe es keine Landesstraße, keine Eisenbahn, wäre das Eignungsgebiet Wegenstedt wohl nicht genehmigungsfähig. Für Wegenstedt gilt: nach RV 01/2011, Seite 2 eine Abstandszone von 1.000 m und zusätzlich eine Restriktionszone von 300 m. Die Restriktionszone erfordert für Wegenstedt eine differenzierte Untersuchung, um das „Ortsbild vor Verunstaltung zu schützen. Der (zu schützende) Gesamteindruck des Ortsbildes besteht vor allem in der Ortssilhouette. Diese kann durch Art und Größe des Vorhabens, durch seinen Standort verunstaltet werden.“ (ebenda, S. 2) Ich bin sicher, wie die beiden Vororte von Nordgermersleben und wie der Ortsteil Bahnhof Flechtingen wird bei einer Zustimmung zum Bau der WEA mindestens das Oberdorf von Wegenstedt wegen der Nichtbeachtung der Restriktionszone von 300 m für eine künftige Besiedlung ausgeschlossen werden. Das sind alle Grundstücke der Calvörder Straße, der Annastraße, Zur Fahrt, Oebisfelder Straße, Zum Drömling und die nördlichen Grundstücke der Neuen Straße und alle Im Winkel. Der Rest von Wegenstedt müsste dann schrittweise die Umverteilung der konstanten Kosten mit tragen, ebenfalls sehr gefährlich. Ich habe wissenschaftliche Bücher über das schrittweise Wüstwerden von Ortschaften und von ganzen Gesellschaften in der Vergangenheit. Wer sich dafür interessiert, sollte sich bei mit melden. Wir haben zwar eine Geschichtswerkstatt, aber noch zu wenig Politiker, die wirklich aus der Geschichte etwas lernen wollen. Mit einem Windpark genau zwischen dem Naturpark Drömling und dem Kurort Flechtingen verschenken wir die Zukunft von Dörfern, die zusammen mit der regionalen Geschichtswerkstatt in der Mitte zur Erklärung der historisch besonders interessanten, über Jahrhunderte entstandenen, abwechselungsreichen Kulturlandschaften 2011 hervorragend aufgestellt sind. Deshalb wurden wir auch 2011 ausgezeichnet. Zählt das alles nicht, wenn eine große und leider auch eine unsichere Geldeinnahme für Calvörde winkt? Ich glaube nicht, dass Bürgermeister und der Rat von Haldensleben es zulassen würden, wenn genau zwischen dem Park von Althaldensleben und Hundisburg WEA in einer Höhe von 150 m, so hoch wie der Kölner Dom, errichtete würden.

Helmut Mewes, Sprecher der Bürgerinitiative

Helmut.Mewes@t-online.de

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