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Artenschutzbeauftragter Peter Loskarn

Peter Loskarn

Auf einer Landkarte hat Peter Loskarn Wanderbewegungen der Großen Abendsegler dargestellt.

Artenschutzbeauft ragter Peter Loskarn schildert Wanderbewegung der nachtaktiven Tiere
Auch dieser Große Abendsegler hat bei der jüngsten Aktion des Arbeitskreises Fledermaus Sachsen-Anhalt im Wald zwischen Calvörde und Wegenstedt einen Ring bekommen.


Fledermausfreunde sehen Populationen der Abendsegler durch Windpark bedroht

Von Anett Roisch Volksstimme - 30.März 2012

Bislang ist noch keine endgültige Entscheidung zum Bau des Windparks Wegenstedt gefallen. Mitglieder des Arbeitskreises Fledermaus Sachsen-Anhalt sehen ganze Populationen der Abendsegler durch den geplanten Bau der Windräder bedroht.

Wegenstedt/Calvörde
Erst vor kurzem haben ehrenamtliche Fledermausforscher der Arbeitsgruppe Fledermaus Sachsen-Anhalt mit wissenschaftlichen Methoden und unter wissenschaftlicher Begleitung die Raumnutzung regionaler Abendsegler wiederholt untersucht. Über 300 Fledermäuse hatten am Langen Berg zwischen Calvörde und Wegenstedt überwintert. Und die Ergebnisse der aktuellen Beringungsaktion wurden nach Dresden geschickt. Dort ist eine große Datenbank, auf die alle Naturfreunde zugreifen können. Die gewonnenen Erkenntnisse aus den letzten sechs Jahren zur Wanderbewegung der Fledermäuse hat jetzt Peter Loskarn aus Bülstringen/ Schwarzer Pfuhl, Artenschutzbeauftragter im Landkreis Börde und Mitglied der Arbeitsgruppe, in einer Grafik dargestellt. „Abendsegler leben in starken reviertreuen Populationen. Überflüge zu anderen Revieren, Quartierwechsel und Vermischungen der Populationen erfolgen regelmäßig, in welchem Umfang ist noch abzuklären. Ein weiträumiger Individuenaustausch im bekannten Wanderkorridor wird bestätigt“, erklärte Loskarn.

Fledermäuse sind nachtaktive, Insektenvertilger und schützen die Wälder durch ihren großen Appetit. „Spektakulär für unsere Region ist seit einigen Jahren die Erkenntnis, dass der Quartierverbund, Drömling - Langer Berg – Calvörder Berge‘ eine Attraktion für fernwandernde Abendsegler ist. ‚Unsere Quartiere‘ werden zur Paarungszeit und zur Überwinterung von Tieren aus Havelberg, Prenzlau, dem Spreewald und anderen Orten regelmäßig und gezielt angeflogen“, weiß der Artenschutzbeauftragte durch die Untersuchungen. „Es hat sich unter Fledermäusen herumgesprochen, dass der Bördekreis einladende Naturräume mit Wohnquartieren, ergiebigen Nahrungsrevieren und attraktiven Balzplätzen zu bieten hat“, sagte Bernd Ohlendorf aus Stolberg, Vertreter der Landesreferenzstelle und Mitglied des Arbeitskreises, schmunzelnd.

Ohlendorf betonte, dass den Fledermausfreunden der geplante Windpark in Wegenstedt Kopfschmerzen bereitet. Er erklärte: „Der Windpark liegt genau im Aktionsraum der Fledermäuse. Das was wir als Arbeitskreis machen, ist einerseits pure Forschung und andererseits klare Datenerhebung, die das Gutachten, das die Windparkbetreiber vorgelegt hatten, widerlegt.“ Ganz anders die Einschätzung von Peter Stelzer, Geschäftsführer der Regionalplan & uvp Planungsbüro GmbH. Er hatte im vergangenen Jahr bei einer öffentlichen Bürgerversammlung an Hand von Landkarten Daten des Untersuchungsbereiches präsentiert. Laut Fachgutachter gäbe es keinerlei Überschreitungen der Grenzwerte und Schutzansprüche. Fledermäuse würden laut Stelzer durch die Windräder nicht zu Schaden kommen. „Mit der Situation und den Daten, die wir damals dort erfasst haben, sind wir zu dieser Aussage gekommen“, bestätigte Inge Willenborg, Landespflegerin, die in der Regionalplan & uvp Planungsbüro GmbH tätig ist.

Sie erklärte: „Die Datenerfassung ist nun mittlerweile schon ein paar Jahre her. Die gesetzlichen Anforderungen und Methodenstandarts für die Erfassung der Fledermäuse haben sich geändert. Die Anforderungen sind im Laufe der Zeit verschärft worden.“ „Im Fledermausgutachten zu den geplanten Windenergieanlagen wird nur ein einzelner wandernder Abendsegler beschrieben“, sagte Loskarn. Er empfiehlt, dass das umfangreiche Beringungs- und Wiederfundmaterial des sächsischen Landesamtes für Umwelt und Geologie für ein solches Gutachten nun mit genutzt werden sollte. „Der Windpark ist im Zentrum eines Quartierverbundes mit über 1000 Abendseglern und in einer Fernwanderroute dieser Fledermausart geplant“, sagte Loskarn, zeigte auf seine Grafik und betonte: „Dieses Windparkprojekt gefährdet großräumig ganze Fledermauspopulationen und den genetischen Austausch zwischen ihnen. Meine Erkenntnisse und die Grafik schicke ich jetzt zu den Entscheidungsträgern im Landesverwaltungsamt.“

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