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Warum stimmten die Calvörder Räte für einen Windpark Wegenstedt?

Diese Frage bleibt unbeantwortet. In der Vorlage steht nach meinem unvollständigen Wissen dazu lediglich, dass die erneuerbare Energie und damit die Windkraft wichtig sind.

Allgemein gesehen ist die Windkraft eine wichtige Energiequelle. Aber spricht das im Jahr 2012 für einen weiteren Windpark im Norden von Sachsen-Anhalt? Nein, nichts spricht gegenwärtig dafür! Warum?

Wirtschaftsministerin Wolff von Sachsen-Anhalt sagte dazu auf der Frühjahrstagung 2012 des Landesverbandes Erneuerbare Energie: „Das Produzieren und Aufstellen von Anlagen ist nicht mehr das Problem. Für die Zukunft brauchen wir eine Förderpolitik, die Fragen der Speicherung und der Netzproblematik mit aufgreift“. Speziell hinsichtlich der Windenergie setzt sie für die Zukunft in Sachsen-Anhalt auf Repowering vorhandener Windparkanlagen. Der Geschäftsführer der norddeutschen Stromnetzbetreiber Boris Schucht 2012 in Berlin: „Wir sind an der Grenze dessen, was wir an erneuerbaren Energie integrieren können“ und sagt voraus, dass immer häufiger Windräder zeitweise abgeschaltet werden müssen. Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt Reiner Haseloff sagt im Interview der VST am 24.04.2012: „Wir drücken fast täglich überschüssigen Windstrom in die Leitungen anderer europäischer Staaten, zum Beispiel nach Polen und Tschechien und gefährden damit die Netzstabilität unserer Nachbarn.“ Und anderer Stelle sagt er: „Wenn aber Bayern ankündigt, dass jedes Atomkraftwerk, das abgeschaltet wird, durch Gaskraftwerke ersetzt werden soll, stellt sich doch ganz konkret die Frage: Wozu brauchen wir dann noch Windparks im Norden und neue Netze quer durch Deutschland?“ Er begründet damit überzeugend, dass ein koordinierendes Energieministerium benötigt wird. Er begründet damit aber auch: Ein neuer Windpark Wegenstedt ist 2012 im Norden von Sachsen-Anhalt überflüssig. Bestätigt wird diese Erkenntnis auch durch eine wissenschaftliche Studie des Fraunhofer Instituts 2011 über den gegenwärtigen Stand in den einzelnen Bundesländern und über die Zukunft der Windenergie in der gesamten Bundesrepublik.

Außerdem ist seit Jahren bekannt, dass die Windeignungsfähigkeit des Standortes Wegenstedt nicht besonders hoch ist. Nur deshalb sah sich die Betreiberfirma gezwungen, die Türme der Anlagen über 11% vom 98m auf 108m gegenüber den sonst gleichen Anlagen im Eignungsgebiet bei Rätzlingen zu erhöhen. Das bedeutet aber auch 11% stärkere Belastung der Bevölkerung der angrenzenden Gemeinden und eine entsprechende stärkere Bedrohung des Natur- und Umweltschutzes. Und das alles für eine im Jahr 2012 und später an diesem Standort völlig überflüssige Anlage?

In der Vorlage steht nichts über die finanziellen Vorteile für die Gemeinde. Bekannt ist mir nur die Stellungnahme des Rechtsanwalts der Gemeinde Calvörde, der warnend betont, dass die Einnahmen durch die Gewerbesteuer höchst unsicher sind.

Wann erklärt uns endlich einmal ein Gemeinderat öffentlich, warum er dem Planungsantrag am 18.04. 2012 zugestimmt hat? Auch das gehört zu einer Demokratie. Wir begründen seit Jahren ja auch öffentlich, warum wir gegen den Windpark sind.


Wegenstedt, den 24.04.2012

Helmut Mewes, Sprecher der Bürgerinitiative gegen den Windpark Wegenstedt

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