Zurück

Wer kann es verantworten, hier einen Windpark zu errichten???????

WEG Wegenstedt

Blick auf das WEG Windeignungsgebiet Wegenstedt - Bürgerinitiativen in Anhalt-Bitterfeld und der Börde wollen keine Windkraftanlagen

!!!!!!!Interessante Links !!!!!!!

http://www.wegenstedt.de/docs/BeschlussOVG14.06.2012.pdf
http://www.nabu-schoenebeck.de/aktuelles/
http://www.youtube.com/watch?v=9EgsqEqET48&feature=plcp

Nicht jeder Sachsen- Anhalter ist glücklich über die ungezügelte Ausbreitung von Solar und Windkraftparks im Land. Die Volksstimme stellt zwei Bürgerinitiativen vor, die sich gegen Anlagen vor der eigenen Haustür zur Wehr setzen. Von Andreas Stein Wegenstedt/Güterglück

Volksstimme, 26.10.2012

Katrin Sadurski steht auf einem Feldweg und blickt nach Osten. „Da ist Güterglück, schräg hinter uns Gödnitz, daneben Walternienburg und auf der anderen Seite der stillgelegten Bahnstrecke liegt Gehrden“, erklärt die 33-Jährige. Hier im Zerbster Land, quasi nur einen Steinwurf von der Elbe entfernt, könnten sich schon in den nächsten Jahren zwölf bis 15 Windräder drehen, teilweise in nur einem Kilometer Abstand zu den Wohnhäusern – es sei denn, Katrin Sadurski und die restlichen Mitglieder der Bürgerinitiative Güterglück können es verhindern.Katrin Sadurski, die selbst in Gödnitz geboren und aufgewachsen ist, las im Mai 2010 erstmals in der Volksstimme von den Windpark-Plänen der Planungsgemeinschaft Anhalt- Bitterfeld-Wittenberg. Schon vorher hatte es im Ort Gerüchte gegeben, das Gebiet solle als Windvorranggebiet deklariert und damit für den Bau von Windkraftanlagen freigegeben werden. Im Oktober 2010 formierte sich die Bürgerinitiative und geht seitdem mit Eingaben, Briefen und einer Unterschriftensammlung gegen die Pläne vor. „Die Optik wäre erdrückend, dazu kommt der Schattenwurf der Rotoren“, sagt Katrin Sadurski. Außerdem befürchtet die Bürgerinitiative Gesundheitsprobleme durch dauernde Beschallung mit geschätzten 45 Dezibel und nur als Druck wahrnehmbaren Infraschallwellen. Unsere Lebensqualität würde erheblich sinken, die Grundstücke in den umliegenden Gemeinden wären weniger wert“, ist Sadurski überzeugt.

Umweltschützer befürchten außerdem Schäden für die Natur, denn bis Gödnitz reicht das Biosphärenreservat Mittelelbe, wo Seeadler und Schwarzstörche nisten. „Als ob ein Tier sagt, hier stoppe ich meinen Flug“, sagt Katrin Sadurski. Sie betont: Die Bürgerinitiative sei an sich nicht gegen erneuerbare Energien, sondern nur gegen den Standort des Windparkes. Die von der Gruppe vorgetragenen Bedenken und vorgeschlagenen Alternativstandorte im Raum Zerbst sind aber bislang meist auf taube Ohren gestoßen. Nach zwei Jahren Engagement ist die Bürgerinitiative auf einen harten Kern von rund zehn Leuten zusammengeschrumpft.
Nicht immer fühlten sich die Mitglieder mit ihrem Anliegen von der Kernstadt Zerbst ernstgenommen, mussten oft „ernüchternd lange“ auf Antworten auf ihre Briefe warten oder erhielten gar keine. Und in den betroffenen Orten gibt es auch nicht nur Gegner des Windparks, schließlich brächten die Anlagen Pachtgelder in die Kassen der Ackerbesitzer und Gewerbesteuern ins Gemeindesäckel. Auch wenn Katrin Sadurski oft Sätze wie „Da kannst du eh nichts machen“ hört, gibt sie sich kämpferisch. „Ich bin auch Mutter und arbeite Vollzeit. Aber wenn man nichts unternimmt, darf man sich später auch nicht aufregen.“ Heute will sich die Regionale Planungsgemeinschaft Anhalt- Bitterfeld-Wittenberg mit der Abwägung der Anregungen und Bedenken zum zweiten Entwurf der Windenergienutzung befassen – ob die Argumente der Güterglücker dieses Mal auf fruchtbaren Boden fallen, ist ungewiss. „Fifty-fifty“ bewertet Katrin Sadurski die Chancen, dass die Räder kommen. Aufgeben will sie nicht und notfalls klagen: „Wir kämpfen weiter.“

Wegenstedter Naturschützer nach neun Jahren optimistisch Dass sich jahrelanges Engagement lohnen kann, zeigt ein Blick in den Landkreis Börde: Bereits seit beinahe zehn Jahren setzt sich die Bürgerinitiative Wegenstedt (Ortsteil der Gemeinde Calvörde) gegen den Bau eines Windparks ein. Fünf Anlagen mit Nabenhöhe von 108 Meter Höhe will eine Genthiner Firma dort errichten, Energie für 6000 Vier- Personen- Haushalte sollten die Windräder liefern – und gleichzeitig reichlich Steuergelder in die klamme Gemeindekasse spülen. Fachgutachten bescheinigten dem Windpark bislang Unbedenklichkeit in Sachen Gesundheits- und Umweltschutz. „Das sehen wir anders“, sagt Helmut Mewes von der Bürgerinitiative Wegenstedt. Denn der Ort liegt am Rand des Naturparks Drömling, der viele vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten beherbergt. Bürgerinitiative, Naturparkverwaltung und der Umweltschutzbeauftragte des Landkreises protestierten heftig gegen die Baupläne, denn die Gegend ist Rückzugsgebiet für tausende Zugvögel wie Graugänse und Kraniche, und auch die seltene Zwergfledermaus sowie die stark gefährdete Wiesenweihe seien hier zu Hause. Als das Landesverwaltungsamt 2009 die Genehmigung für Bau und Betrieb des Windparks erteilt hatte, standen schon die Bagger in den Startlöchern, doch das Oberverwaltungsgericht folgte den Umweltbedenken und wies die Erlaubnis in diesem Jahr nach einer noch vor der Gemeindegebietsreform erfolgten Klage der Gemeinde Wegenstedt zurück.

Zwischenzeitlich gab es jedoch einen zweiten Bauantrag, der im Wesentlichen die gleichen Gutachten und Planungen enthält. Auch darüber muss das Landesamt nun entscheiden, und alle Beteiligten warten gespannt darauf – auch Helmut Mewes. „Wir sind auch keine Windkraftgegner an sich. Aber wir wollen keine Anlage direkt südlich des Drömlings“, sagt der 78-Jährige, der große Teile seines Ruhestandes dem Kampf
gegen die Windräder gewidmet hat, statt den Lebensabend zu genießen. Vertane Zeit sei das nicht, und das Engagement halte ihn ein Stück weit jung“, verrät der Senior. Nach dem Gerichtsurteil sieht Mewes auch der Entscheidung des Landesverwaltungsamtes gelassener entgegen. „Ich bin optimistischer als früher, dass der Windpark in Wegenstedt nie gebaut wird.“

Zurück