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Künstler zeigen dem Land die Rote Karte

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Aktion „5 vor 12“ gegen Kulturabbau in Sachsen-Anhalt

Von Grit Warnat, Birgit Ahlert und Michael Pieper. Volksstimme 22.05.2013

Mit der Aktion „5 vor 12“ haben gestern Kulturschaffende in mehreren Städten Sachsen-Anhalts gegen einen befürchteten Kulturabbau im Land protestiert. Es wurde Theater gespielt, es gab Konzerte und viele Bekundungen zum Kulturerhalt. Von Grit Warnat, Birgit Ahlert und Michael Pieper.

Der Marktplatz in Halle erlebt dieser Tage viele Demonstrationen. Dem Protest der Universitäten und Studenten folgte gestern eine Kundgebung der Kulturschaff enden. Theater und Orchester haben mit Musik und Theaterspiel gegen den Sparkurs der Landesregierung demonstriert. Fünf Minuten vor 12 erklang „O fortuna“ aus „Carmina Burana“. Die Staatskapelle Halle gab den Startschuss für eine mehrstündige Protestaktion in Halle. „Wir zeigen dem Kulturabbau die Rote Karte“, rief Matthias Brenner, künstlerischer Direktor des neuen theaters Halle, in die Menge und hunderte Leute hielten rote Protest-Karten in die Luft. Immer wieder gab es Beifall bei Redebeiträgen von Hallenser Stadträten. „Es muss Gespräche geben. Die vermisse ich“, sagte Johannes Krause, Fraktionsvorsitzender der SPD, in Richtung Land. Sachsen-Anhalt trage eine Verantwortung für seine Kulturschaffenden. Immer wieder gingen die Redner auf den Kulturkonvent ein und dessen Forderung, den Kulturetat im Land auf 100 Millionen Euro aufzustocken. Derzeit liegt er jährlich bei 85 Millionen Euro. Konkrete Zahlen für 2014 liegen noch nicht vor. Das Kultusministerium hatte jedoch für das kommende Jahr gravierende Einsparungen angekündigt. Laut Deubel-Gutachten liegt das Einsparpotenzial für Land und Kommunen im Bereich der Kultur bei 72 Millionen Euro. Auch in Magdeburg wurden Rote Karten gezeigt. Die größte Demonstration fand vor dem Opernhaus Magdeburg statt, mit mehr als 200 Teilnehmern und leidenschaftlichen Redebeiträgen. Intendantin Karen Stone: „Kulturerbe sind nicht nur Gebäude - das sind die Menschen! Hier muss investiert werden, sonst haben wir zwar schöne Gebäude, aber ohne Leben.“ Den angekündigten Sparvorhaben setzte der Intendant des Puppentheaters Magdeburg, Michael Kempchen, entgegen: „Mit 0,85 Prozent Kulturetat hat Sachsen- Anhalt einen der niedrigsten im ganzen Land. Wo will man damit einen Landeshaushalt sanieren?“ In Wernigerode haben rund 200 Passanten die Protestaktion verfolgt. Dort hatte das Philharmonische Kammerorchester eine Unterschriftensammlung im Rahmen der Aktion „5 vor 12“ vorbereitet und binnen weniger Minuten
165 Unterschriften gesammelt.

Was bleibt übrig?

Der gestrige Protest war mehr als nur eine Beteiligung am bundesweiten Aktionstag „Kultur gut stärken“. Es war ein erstes Signal der Theater und Orchester in Richtung Landesregierung. Nach den Protesten der Universitäten weht jetzt der Wind gegen den Sparkurs auch aus dieser Richtung. Im Moment ist es die große Ungewissheit, die Schauspieler, Sänger, Musiker auf die Straße treibt. Es soll gekürzt werden. Aber wie viel? Und wo? Und was bleibt für Kultur übrig? Alles Fragen, die das Kultusministerium beantworten muss. Dass es lange geplante Gespräche mit den Trägern der Theater und Orchester über neu auszuhandelnde Förderverträge kurzfristig abgesagt hat, heizt die Gerüchteküche weiter an. Das Kultusministerium muss jetzt sagen, was ihm wichtig ist, wie es zukünftig finanziell unterstützen will und wo es Ungleichbehandlungen abzubauen gilt. Es geht um strukturelle Veränderungen in unserer Kulturlandschaft, es geht um ein Landeskulturkonzept. Das soll Ende des Jahres vorliegen. Ohne diese Klarheit, massiv Gelder zu streichen, wäre kein guter Weg.

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